Veranstaltung "Dissidenz in Mitteleuropa" (2025) in Chemnitz

Datum 12.12.2025

Foto von der Veranstaltung des Forums Mitteleuropa am 12.12.2025 im Kaßberg-Gefängnis

Am 12. Dezember 2025 fand zum zweiten Mal eine Veranstaltung des Forums Mitteleuropa beim Sächsischen Landtag in der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz statt, diesmal im Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis. Der für seine Reflexionen ost-/mitteleuropäischer Geschichte bekannte ungarische Schriftsteller György Dalos diskutierte mit dem einstigen DDR-Bürgerrechtler Dr. Martin Böttger.

Gemeinsame Identität in Mitteleuropa

Zu Beginn der Veranstaltung betonte der Kuratoriumsvorsitzende des Forums Mitteleuropa Dr. Matthias Rößler die gemeinsame Identität mitteleuropäischer Freiheitskämpfe. Diese sei nicht nur prägend für die einstigen Oppositionsbewegungen, sondern vielfach auch bestimmend für die heutigen Gesellschaften in den Ländern Mitteleuropa.

Die Vielfalt der Erfahrungen

György Dalos berichtete danach in einem Impulsvortrag zunächst von seinen Erlebnissen als Dissident. Er thematisierte die unterschiedlichen Formen der im Freiheitsstreben vereinten mitteleuropäischen Oppositionsbewegungen. Dalos betonte dabei u.a., dass das sowjetische System den einzelnen Satellitenstaaten aus jeweils landesspezifischen Gründen nicht dauerhaft „übergestülpt“ werden konnte.

In der von Dr. Dirk Dalberg moderierten Podiumsdiskussion veranschaulichten die Diskutanten nachfolgend ihre Erfahrungen als Oppositionelle in den kommunistischen Regimen. György Dalos betonte, schon kleine Gruppen könnten bedeutsame Veränderungen herbeiführen. Während das ungarische Regime Dissidenten wie ihm die Ausreise gestattete, beschrieb Dr. Martin Böttger seine Oppositionsarbeit in der restriktiveren DDR als aktivistisch; er wollte den Staat primär „ärgern“. Im Hinblick auf das Heute äußerten Dalos und Böttger die Hoffnung, dass der vielerorts verlorengegangene gesamtgesellschaftliche Dialog wieder eine wichtigere Rolle einnehme.

Lern- & Gedenkort Kaßberg-Gefängnis

Das 1879 erbaute Gebäude im Chemnitzer Stadtteil Kaßberg wurde über mehr als einhundert Jahre von verschiedenen politischen Systemen als Haftanstalt genutzt. In der DDR diente es der Staatssicherheit als Untersuchungshaftanstalt. Von 1967 bis 1989 fungierte es zudem als zentraler Abwicklungsort für von der Bundesrepublik Deutschland freigekaufte politische DDR-Häftlinge (über 30 000). Auf Initiative des Vereins Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis beschloss der Sächsische Landtag im Jahr 2011 die Errichtung eines Gedenkortes, der 2017 an der einstigen Außenmauer des Gefängnisses eröffnet wurde. 2023 folgte der Umbau des früheren Hafttrakts B zum Lernort. Besucher finden hier biographische Darstellungen ehemaliger Häftlinge sowie Informationen über die Epochen des Gefängnisses. Heute dient das Gebäude als „Lernort für Demokratie“.