Auftakt "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Herzen unseres Kontinents" (2011) in Dresden

Datum 28.09.2011 bis 30.09.2011

Ständehaus 2011

Nach der konstituierenden Sitzung des Forum Mitteleuropa beim Sächsischen Landtag, bei der die Kuratoriumsmitglieder die "Dresdner Erklärung" unterzeichneten, fand im Dresdner Ständehaus als Auftakt neben den Statements der beteiligten Akteure eine Podiumsdiskussion zum Thema „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Herzen unseres Kontinents“ statt.

"Wir haben viele Gründe, zusammenzuarbeiten."

Detailansicht öffnen: Das Kuratorium des Forum Mitteleuropa nach dessen Gründung am 29. September 2011.
Kuratorium nach der Gründung

Vom 28. bis 30. September 2011 wurde durch den Sächsischen Landtag eine neue Form der politischen Kommunikation ins Leben gerufen: Durch die Unterzeichnung der "Dresdner Erklärung" im Dresdner Ständehaus ist das "Forum Mitteleuropa beim Sächsischen Landtag" zu einem weiteren tragenden Pfeiler des politischen Diskurses in Mitteleuropa geworden. Das Forum will eine Plattform für regelmäßigen gedanklichen und thematischen Austausch bieten. Ein Kuratorium unter dem Vorsitz des Landtagspräsidenten gibt den Takt an. Es bereitet im Frühjahr Folgesitzungen mit Themenschwerpunkten aus Kunst und Kultur, aus Wirtschaft, Bildung und Politik vor. Immer im Herbst wird dann eine mehrtägige Veranstaltung die Möglichkeit bieten, Stimmen aus Polen, der Slowakei, Tschechien, Österreich, Ungarn und Sachsen zum vorgegebenen Thema zu vernehmen und sich mit ihnen an einem Diskussionsabend auseinanderzusetzen.

Gleich zu Beginn hatte der Präsident des Sächsischen Landtags, Dr. Matthias Rößler, das Ziel in einen Aufruf gepackt: "Heute sind wir als Mitteleuropäer erstmals seit vielen Generationen wieder in der Lage, unsere positiven Gestaltungskräfte zu konzentrieren und auf kulturschöpferische Weise zur Erneuerung der Europäischen Union beizutragen!" Die Zustimmung aller späteren Kuratoriumsmitglieder war von Anfang an vorhanden. Da wurden sogar die Verantwortlichen im eigenen Land beschworen, "für solche Initiativen auch mal Mut zeigen" zu können. Ein anderes Kuratoriumsmitglied formulierte, was alle dachten, dass nämlich niemand vergessen dürfe, wie sehr diese politische Initiative die aktive Teilhabe der Jugend der vertretenen Länder mit einbeziehe. Offene Türen seien da eingerannt worden, war man sich einig. Niemand wolle dieses Forum nur für sich gestalten. Vielmehr sei man erfüllt von dem Willen, bessere Voraussetzungen für alle Nachfahren zu schaffen.

Bei der Unterzeichnung der "Dresdner Erklärung" hatten sie die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten in einer mit viel Überzeugungskraft geführten Diskussion um richtige Formulierungen und ordentliche Syntax unter Beweis gestellt. Vorausgegangen waren Erklärungen zum Standort. Die Vertreter aller fünf Staaten stellten übereinstimmend fest, dass sie sich nach 1989 zwar völlig neu aufstellen konnten, gleichzeitig aber auch neu aufstellen mussten. Das sei nicht einfach gewesen und vielerorts würde der Prozess der Neuorientierung noch andauern, erklärten sie. Man brauche vor allem neue Ideen; die alten, ehedem noch tragfähigen, reichten nicht mehr als Antworten auf die brennenden Fragen unserer Zeit.

Gerade deshalb müsse einem solchen Vorschlag, wie er in der "Dresdner Erklärung" formuliert sei, nämlich ein Forum einzurichten, dass Ihnen die Möglichkeit eröffnen könne, sich auszutauschen – sich auch gegenseitig Mut zu machen –, vor allem aber "gemeinsame Projekte zu definieren, sie umzusetzen und voranzutreiben", in vollem Umfang zugestimmt werden. Ihre Aufgabe bestehe darin, einigten sich die Kuratoriumsmitglieder, "von einer reinen rückwärtsgewandten Betrachtung zu einer offenen und zukunftsorientierten gemeinschaftlichen Zusammenarbeit" zu kommen. Wie das zu schaffen sei, wurde in der nicht öffentlichen Sitzung am Vormittag des 29. September eingehend erörtert, wobei sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens im Fokus standen. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf den neuen Medien und der Förderung der interaktiven Vernetzung vor allem unter den Jugendlichen der hier vertretenen Länder. Das Denken müsse weggehen vom Sinnieren darüber, wer oder was man nicht sein wolle, und hinüberschwappen zu mutigen Definitionen von dem, was man denn künftig darstellen wolle und welche Rolle man in der Völkergemeinschaft zuspielen bereit und zu übernehmen in der Lage sei.

Die Unterzeichnung der "Dresdner Erklärung" gereichte allen Beteiligten zur Ehre und diente jedem von ihnen als Motivation, die "kommenden Aufgaben mit Engagement, Mut und Zuversicht – vor allem aber mit Vertrauen" zu bewältigen. Die Vorträge bei der offiziellen Auftaktveranstaltung am Abend manifestierten das Gesagte auf eindrucksvolle Weise. Aus jedem Beitrag sprach der Schwung, das Forum Mitteleuropa zu einem Erfolg werden zu lassen. Nicht nur deshalb, weil sich die Mitglieder des Kuratoriums einig waren über die Einschätzung der gegenwärtigen politischen Ausgangslage, sondern auch deshalb, weil ungeschminkt und geradlinig angesprochen wurde, was verbindet und was trennt.

Vielleicht können die Worte Magdaléna Vásáryovás als Zusammenfassung dafür dienen: "Wir haben viele Gründe, uns zu hassen; wir haben aber mehr Gründe, zusammenzuarbeiten– zukunftsträchtig und pragmatisch!"

Dokumentation der Auftaktveranstaltung

Die Auftaktveranstaltung "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Herzen unseres Kontinents", die am 29. September 2011 im Ständehaus in Dresden stattfand, ist in Heft 1 der FORUM-Reihe dokumentiert worden. Das Heft ist in deutscher Sprache erhältlich. Es kann unter publikation@slt.sachsen.de auch als Druckversion bestellt werden.